Ursula: Krankenschwester 2.0​

Ein Szenario aus dem Jahr 2030 mit den Dimensionen: Zusammenarbeit online - Zusammenarbeit offline

#sonstige Orte, #Arbeitswelt, #Gemeinschaft, #Infrastruktur, #Technik

Autor:innen: Carolin // Attraktor:innen: #1

Zwischenmenschlichen Beziehungen wichtiger denn je; Karriere ist nicht mehr wichtig, soziale Themen stehen im Vordergrund. Um den Menschen und die Kommunikation in den Vordergrund zu stellen, gibt es statt Büros viele in der Stadt verteilte Working-Spots. Geschäftstermine werden in den eigenen vier Wänden oder in den Alltag integriert. Auch den Kindern wird schon früh Flexibilität beigebracht, und sie haben die Freiheit zu entscheiden, wann sie was und wo sie lernen. Statt in Schulgebäuden lernen sie in kleinen Team-Stationen, die in der Stadt verteilt sind.

Ein Tag aus den Leben von Ursula, 24 Jahre, Krankenschwester
Freitag, 18. Oktober 2030 in München

Ursula wird wach als ihre zweijährige Tochter zu ihr unter die Decke steigt und ihre kalten Füße sich zu den ihren gesellen. Sie blinzelt zum Wecker: 5:30 blinkt es da im Retro Display. Die beiden kuscheln noch ein halbes Stündchen und die kleine Maja schläft nochmal ein. Das gelingt Ursula nicht mehr und sie entscheidet sich aufzustehen, Kaffee zu kochen und morgens noch einmal ganz allein die Ruhe genießen ist kostbar, denn bald sind die beiden Mädels wach.

Beide sind selbstbestimmte Lerner, ihre Mütter Ursula und Anna begleiten sie dabei. Sie alle haben Verstärkung im Zentrum für freie Bildung, wo Wissen in Form von Büchern und Werkzeugen, Labors und Computern, zugänglich gemacht wird. Wo es Räume gibt wie Labors und den passenden Begleitern, die den jungen und auch älteren Menschen zur Seite stehen, Fragen beantworten, mit ihnen diskutieren... Jeder, der stetig weiter lernen mag oder Inspirationen sucht, ist dort jederzeit willkommen. Hier kann man forschen, experimentieren, nach Antworten suchen und sich mit den all den Dingen beschäftigen, die einen gerade interessieren. Und natürlich gibt‘s auch Orte zum Spielen – ob allein oder in Gesellschaft, ganz wie man es gerade möchte.

Ursula schaut raus und die Sonne geht auf, sie wohnt in einem Häuserblock, draußen im Hof zwitschern die Vögel und im gemeinschaftlichen Garten des Blocks leuchten die Zucchini-Blüten in sattem Gelb. Ursula blickt auf ihr Smartphone in den geteilten Kalender mit ihren Patienten und Kollegen. Diese 10 Menschen organisieren sich selbst untereinander, und geben sich gemeinsam ihre Regeln und passen die bei Bedarf an. Im Zentrum stehen das Wohl der Patienten.

Herr F hat eine Nachricht hinterlassen, er ist gestern ambulant operiert worden und er klagt dass der Verband zu fest sitzt. Ursula arbeitet in einem Team mit fünf anderen Krankenschwestern und fünf Ärzten, die zusammen zuständig sind für die Gegend. Sie organisieren sich gemeinsam und als Basis gibt es eine Praxis, wo sie sich regelmäßig als Team treffen können. Ursula ist froh, nicht mehr im Stau zu stehen, weil sie alles zu Fuß machen kann oder mit ihrem E-Rad mit speziellem Equipment Koffer, wo alles drin ist, was sie braucht, um zu ihren Patienten fahren.

Ursula und ihre Kolleginnen arbeiten je 20 Stunden die Woche und betreuen insgesamt ein Maximum von acht Patienten. Sie teilt sich ihre Arbeitszeit selbst ein und vereinbart Termine mit Patienten im Voraus via App, in der sie auch die Termine ihrer Kolleginnen sieht. Alle 14 Tage haben sie Teambesprechungen, um sich auszutauschen und ihr Material aufzustocken. Sie haben dort aber auch Arbeitsräume, die sie bei Bedarf reservieren können.

Für Ursula ist diese Basis nur 1,5 km entfernt und sie fährt auch dahin, um gebrauchte Spritzen und sonstiges medizinisches Material zu entsorgen. Ihre Station verfügt über ein System mit wiederverwendbaren Containern und zu 100% recyclebaren Behältern und Spritzen. Ihre Kleidung wird auch dort abgegeben und kommt von dort gleich in die Wäscherei, die sich im gleichen Block befindet.

Da Herr F. sie dringend braucht, fährt sie als erstes zu ihm, und hat gestern mit ihrer Partnerin vereinbart, dass sie sich zum Mittagessen bei Hannes treffen. Hannes ist ein Restaurant im Nachbar-Häuserblock. Ursula schätzt es sehr, dass dort lecker mit lokalen Erzeugnissen gekocht wird.

Ursula ist nun bei ihrem ersten Patienten angekommen. Herr F. ist ein etwas älterer Herr, der es gerne hat, wenn sie ihm zuhört. Auch heute nimmt sie sich die Zeit und beantwortet alle seine Fragen, während sie nach seinem Verband schaut. Bevor sie weiter zu ihrem nächsten Termin aufbricht, fährt sie Herrn F. mit seinem Rollstuhl auf die Dachterrasse hoch, wo er mit seinem Nachbarn Herrn K. verabredet ist.

Ursula ist es ganz wichtig, nicht mehr im Minutentakt produktiv sein zu müssen. Früher war sie überlastet und hatte weder die Zeit noch die Geduld und Energie, um auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Heute macht ihre Arbeit so viel mehr Sinn und sie freut sich darauf, später mit ihrer älteren Tochter noch eine Tour mit dem Mountainbike durch den Wald zu machen. Danach wird sie sich noch die Zeit nehmen, um den administrativen Teil ihrer Arbeit zu erledigen.